Über die Schaffermahlzeit
... schnell erklärt
Wie alles begann
Die Schaffermahlzeit geht zurück auf Bremens Geschichte als Hafen- und Handelsstadt. Seit dem Beitritt zur Hanse im Jahr 1358 entwickelte sich Bremen zur bedeutenden Wirtschaftsmetropole des Nordwestens – mit eigener Handelsflotte, großen Reedereien und traditionsreichen Schiffbaubetrieben.
Aus dieser hanseatischen Kaufmannstradition entstand die Schaffermahlzeit: Ein jährlich stattfindendes gemeinsames Mahl, das Kaufleute, Kapitäne der STIFTUNG HAUS SEEFAHRT und geladene Gäste zusammenbringt – seit Jahrhunderten, bis heute.
Dr. Angela Merkel
Bundeskanzlerin
Die Zeremonie
Die Schaffermahlzeit folgt jahrhundertealten Regeln – und genau das macht ihren besonderen Charakter aus. Getragen wird die Veranstaltung von einem festlichen Rahmen: Männer im Frack, Kapitäne in Uniform und Frauen in langen schwarzen Abendkleidern versammeln sich in der Oberen Rathaushalle zum gemeinsamen Mahl.
Besonders ist auch der Gästekreis: Wer von außen eingeladen wird – häufig aus Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik – darf nur ein einziges Mal teilnehmen. Eine Einladung gilt daher als hohe Ehre.
Das Essen
Ursprünglich begann die Schaffermahlzeit als einfaches Stockfisch-Essen. Heute ist daraus ein festliches Mehrgänge-Menü geworden – serviert in bewährter Reihenfolge an stilvoll gedeckten Tischen in der Oberen Rathaushalle.
Begleitet wird das Mahl von klugen, pointierten Reden – tiefgründig, aber nicht ohne Humor. So verbindet die Schaffermahlzeit kulinarischen Genuss mit hanseatischer Dialogkultur.
Den genauen Ablauf finden Sie hier.
Die Schaffermahlzeit
Am 2. Freitag im Februar findet in der Oberen Rathaushalle die Bremer Schaffermahlzeit statt – das älteste, bis heute jährlich begangene Freundschaftsmahl der Welt. Seit 1545 steht die Veranstaltung für den Schulterschluss zwischen Schifffahrt und Kaufmannschaft – „damit sie zu ewigen Tagen fest und unverbrüchlich gehalten werde“, wie es der Rat der Hansestadt Bremen einst formulierte.
Im Zentrum des Festmahls steht ein klares Ziel: Es werden Spenden gesammelt, die vollständig der STIFTUNG HAUS SEEFAHRT zugutekommen. Die Mittel fließen in die Unterstützung von in Not geratenen Seeleuten und ihren Angehörigen – sowie seit einigen Jahren auch in die Förderung von Nautik-Studierenden.
Rund je 100 seemännische und kaufmännische Mitglieder des HAUS SEEFAHRT, die aktuell schaffen oder bereits geschafft haben, nehmen an der Schaffermahlzeit teil. Hinzu kommen etwa 100 geladene Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Verwaltung – mit einer Besonderheit: Sie dürfen nur ein einziges Mal im Leben teilnehmen. Eine Einladung gilt daher als besondere Ehre.
Bundespräsident Horst Köhler
über die Schaffermahlzeit
2026 – DIE 482. SCHAFFERMAHLZEIT
Schaffer der Kaufmannschaft
1. Schaffer Dirk Zeppenfeld
2. Schafferin Nadine Kloska
3. Schaffer Dirk Olaf Rogge
Schaffer der Schifferschaft
Kapitän Tim Nordmann
Kapitän Immo Lakmann
Kapitän Olaf Enno J. Linnemann
Kapitän Horst Müller
Kapitän Richard Chalhoub
Kapitän Lisa Brenneisen
2025 – DIE 481. SCHAFFERMAHLZEIT
Schaffer der Kaufmannschaft
1. Schaffer Thorsten Rönner
2. Schaffer Julius Runge
3. Schaffer Alexander Schnitger
Schaffer der Schifferschaft
Kapitän Dirk Eberding
Kapitän Olaf Köberl
Kapitän Daniel-Philipp Riehl
Kapitän Frank Rolf Krämer
Kapitän Soeren Schmitz
Kapitän Oliver Richardt
2024 – DIE 480. SCHAFFERMAHLZEIT
Schaffer der Kaufmannschaft
1. Schaffer Philip W. Herwig
2. Schafferin Dr. Heidi Armbruster-Domeyer
3. Schaffer Jan-Oliver Buhlmann
Schaffer der Schifferschaft
Kapitän Jan-Helge Janssen
Kapitän Roman Lehnhoff
Kapitän Jürgen Hamel
Kapitän Ulf Wolter
Kapitän Kai Oltmanns
Kapitän Gerd Stamm
2023 – DIE 479. SCHAFFERMAHLZEIT
Schaffer der Kaufmannschaft
1. Schafferin Frau Janina Marahrens-Hashagen
2. Schaffer Jens Lütjen
3. Schaffer Dr. Christoph B. Klosterkemper
Schaffer der Schifferschaft
Kapitän Ulrich Werner Tetzlaff
Kapitän Jörn Haase
Kapitän John Peter Marcus
Kapitän Dennis Brand
Kapitän Johannes Reifig
Kapitän Frank Lehmann
2022 – DIE 478. SCHAFFERMAHLZEIT – ABGESAGT
Schaffer der Kaufmannschaft
1. Schaffer Dr. Johann Christian Jacobs
2. Schaffer Johann G. Smidt
3. Schaffer Cornelius Strangemann
2021 – DIE 477. SCHAFFERMAHLZEIT – ABGESAGT
Diese Veranstaltung wurde auf Grund der Corona Pandemie abgesagt.
Ablauf und Zeitplan
Was einst als schlichtes Stockfisch-Essen begann, ist heute ein festliches Mahl mit klarer Struktur und gewachsenem Ritual. An festlich gedeckten Tafeln nehmen die Gäste Platz und erleben ein mehrgängiges Menü, das von ebenso klugen wie unterhaltsamen Reden begleitet wird – tiefgründig, aber nie humorlos.
Die Speisenfolge folgt dabei einer festen Ordnung, die seit Generationen unverändert geblieben ist. Im HAUS SEEFAHRT nennt man sie gern eine „einfache, altbremische Mahlzeit“ – schlicht im Ursprung, würdevoll im Rahmen.
1. Gang: Bremer Hühnersuppe
- Rede des ersten Schaffers (Willkommensgruß)
- Rede des zweiten Schaffers auf Bundespräsident und Vaterland
- 3. Strophe des Deutschlandliedes
2. Gang: Stockfisch, Senfsauce, Salzkartoffeln
- Rede des dritten Schaffers auf Bremen und den Senat
3. Gang: Seefahrtsbier
- Rede des ersten Schaffers auf Handel, Schiffahrt und Industrie
4. Gang: Braunkohl, Pinkel, Rauchfleisch, Maronen, Bratkartoffeln
- Rede des zweiten Schaffers auf Haus Seefahrt, Vorsteher und Oberalte
- Sammelrede des Verwaltenden Vorstehers - Sammlung für "HAUS SEEFAHRT"
5. Gang: Kalbsbraten, Selleriesalat, Katharinenpflaumen, gedämpfte Äpfel
- Rede eines Kapitänsschaffers auf die neuen kaufmännischen Schaffer
- Rede des dritten Schaffers auf die neuen Kapitänsschaffer
- Rede des ersten Schaffers auf die auswärtigen Gäste
- Dankesrede des Verwaltenden Vorstehers an die Schaffer
6. Gang: Rigaer Butt, Sardellen, Wurst, Zunge, Chester- und Rahmkäse, Fruchtkorb
- Kapitänsrede
- Rede des Ehrengastes
- Tonpfeifen und Tabak
- Kaffee/Mokka
Eine Erläuterung zu den einzelnen Gerichten finden sie hier:
Erläuterung zu den einzelnen Gerichten
Bremer Hühnersuppe und Rigaer Butt
Die Schaffermahlzeit beginnt mit einer Bremer Hühnersuppe, wie sie schon Betty Gleim in ihrem im Jahre 1808 herausgegebenen Kochbuch beschrieben hat. Die Bremer Hühnersuppe ist sozusagen der erste Gang vor dem Willkommensgruss des 1. Schaffers, der Rede des 2. Schaffers auf Bundespräsident und Vaterland und der 3. Strophe des Deutschlandliedes. Letzter Gang ist der Rigaer Butt, auch Rigsche Butten beziehungsweise Rigaische Butten genannt. Es ist eine geräucherte Seescholle aus Riga, die bei der Schaffermahlzeit zusammen mit Sardellen, Wurst, Zunge, Chester- und Rahmkäse sowie einem Fruchtkorb als Dessert gereicht wird – vor der Damenrede eines Kapitänsschaffers und der Rede des Ehrengastes. Rigaer Butt ist eine Erinnerung an die bremische Kolonie in Livland, das wiederum eine historische Landschaft in den heutigen Ländern Estland und Lettland ist. Dazu gibt es eine kleine Geschichte:Ein mit Gütern reich beladenes Bremer Schiff, das sich auf einer Küstenfahrt befand (Cabotage, sagte man damals), war vom Kurs abgekommen und musste in die Düna einlaufen. Was zunächst Pech war, erwies sich später als ein Glücksfall. Am Ufer der Düna gründeten die Bremer, angeführt von dem Domherrn Albert von Buxhövede, der vom Bremer Erzbischof zum Bischof von Livland ernannt wurde – er nannte sich Albert I. -, im Jahre 1201 die Stadt Riga, wie es in der Chronik von Rinesberch, Schene und Hemeling (Anfang des 15. Jahrhunderts) heisst. Leider hat der für diese Nachricht verantwortliche Mitautor und Bürgermeister Johann Hemeling (gestorben 1428) ein bisschen geschummelt, als er schrieb:“Albertus buwede (baute) de Stadt to Riga mit den borgeren (Bürgern) to Bremen“. Denn die Gründung Rigas durch die Bremer ist aus heutiger Historikersicht unhaltbar, was uns aber nicht stören soll. Das Datum, 1201, jedenfalls stimmt. Und Rigaer Butt wird seit alters her auf der Schaffermahlzeit gegessen.
Stockfisch – Die Hauptmahlzeit
Es ist wohl möglich, dass der Stockfisch von Anfang an der Hauptgang der Schaffer war. Stockfisch wurde entweder mit zerlassener Butter serviert oder mit einer „weissen, dicken, sehr wohlschmeckenden Sauce“, wie Johann Georg Kohl bereits Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb, „auf deren vorzügliche Bereitung man sich in Bremen versteht“. Heute wird Stockfisch mit Senfsauce gereicht.
Stockfisch ist ein aufgespaltener und getrockneter Kabeljau, den die Bremer seit Urzeiten aus Norwegen bekommen. Er war in Bremen beliebt, zumal er verhältnismässig billig war. Heute – in der Zeit der frischen Fische – kommt Stockfisch kaum noch auf den Tisch.
Johann Georg Kohl schreibt in seinem Buch „Alte und neue Zeit“, dass der Stockfisch im 18. Jahrhundert das „jeden Freitag wiederkehrende und unausweichliche Gericht“ gewesen ist, jedoch an der Mittagstafel nicht nur Freunde hatte.
Kohl:“Wenn den Tischgenossen, insbesondere den aus der Fremde eingewanderten jungen Comptoiristen, dieses Bremer Gericht nicht recht schmecken wollte und wenn sie sehr langsam daran herumkauten, so machte der alte Bremer Hausherr ein höchst verdriessliches Gesicht dazu.“
Braunkohl und Pinkel

Die Kartoffel, die heute von keinem Bremer Mittagstisch wegzudenken ist, hat sich anfangs in der Hansestadt sehr schwergetan.
Als das HAUS SEEFAHRT gegründet wurde, gab es die Kartoffel in Europa noch gar nicht, und als es sie gab, mochten die Bremer sie noch lange nicht. Sie hielten Kartoffeln noch im 18. Jahrhundert für schädlich, ungesund und giftig.
Zum Braunkohl, der andernorts Grünkohl heisst, gab es Möhren und Rüben und eben Maronen, die noch heute auf jeder Schaffermahlzeit serviert werden. Dass heutzutage auch Bratkartoffeln zum Kohl gereicht werden, ist ein Zugeständnis an die Zeit und – an die auswärtigen Gäste der Schaffermahlzeit.
Denen nämlich mag man es nicht zumuten, dass sie sich mit einem Gericht auseinandersetzen müssen, in dem es mehrere Unbekannte gibt. Man muss wissen, dass erst eine alte und starke Gewohnheit dazu führt, Kohl und Pinkel geniessbar zu finden. Der langjährige, ehemalige Ratskellermeister, Karl-Josef Krötz, der von einem Weingut an der Mosel stammt und sich seit Jahren in Bremen überaus wohl fühlt, sagte unlängst während eines Kohlessens, Kohl und Pinkel hätten ihn jedenfalls nicht nach Bremen gezogen.
An der Spitze der Unbekannten, die dieses Leibgericht der Bremer ausmachen, steht Pinkel. Die Rede ist selbstverständlich von der Bremer Pinkel, nicht von der Oldenburger.
Pinkel ist eine Art Wurst, die aus Nierenfett, durchwachsenem frischem Speck, Flomen, auch Rinderfett oder Talg, reichlich Zwiebeln und bis zu etwa der gleichen Menge Hafergrütze besteht. Dazu kommen etwa 20 Gramm Salz auf ein Kilogramm, Pfeffer, Nelken, Piment und andere Gewürze, die zumeist Betriebsgeheimnis sind.
Die zuvor in einer Brühe gequollene Grütze und die Gewürze werden unter das mit Zwiebeln gewolfte Fettgewebe gemengt und erhitzt. Nach dem Abfüllen wird das Erzeugnis etwa 60 Minuten gegart und nach dem Abkühlen goldgelb geräuchert.
Sauerkraut und Schinken
Im Jahre 1670 gab es nach der „weissen“ und „braunen“ Suppe und nach dem Stockfisch Sauerkraut mit Schinken und Rauchfleisch. Erst danach wurden Kohl und Pinkel aufgetragen.
Doch geben wir dem Koch Müller das Wort, der für die Schaffermahlzeit im Jahre 1869 zuständig war. Er zählte bei den Vorbereitungen für das Essen vor den Vorstehern und Schaffern auf „Unter anderem weisse und braune Suppe, Stockfisch, Rauchfleisch mit braunem Kohl und Pinkel, Schinken und Sauerkraut, Frankfurter Bratwürste etc. Selbst Rigaer Butt waren nicht vergessen.“
Der Chronist berichtet: „…dass sich ein sehr beruhigtes Gefühl der Versammlung ob solcher Sachkenntnis bemächtigte; man konnte ihn (den Koch Müller) rasch wieder entlassen, beste Lieferung besonders des Stockfisches und warme Teller empfehlend und bemerkend, betreffend der Pfeffer- und Salz-Tüten sei früher eine unverzeihliche Verwechslung vorgefallen, er möge doch auch ja dafür sorgen, dass die silberne Tüte das Salz, die goldene den Pfeffer enthalte.
Der Koch Müller schied indes nicht ohne einen Seitenhieb auf die Köchinnen, indem er behauptete, für warme Teller ohne deren Unterstützung durch Aufwaschen in kochendheissem Wasser nicht sorgen zu können …“
Kalbsbraten, Selleriesalat, Katharinenpflaumen, gedämpfte Äpfel
Sauerkraut und Schinken gehörten früher zur Schaffermahlzeit wie auch Frankfurter Würstchen, wobei man sagen muss, dass die Mägen, nicht nur der Schaffer und ihrer Gäste, im 17., 18. und 19. Jahrhundert etwas stabiler eingerichtet waren als die Mägen an der Schwelle des 21. Jahrhunderts.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann Kalbsbraten serviert. Die Beilagen entsprechen den damaligen Usancen und sorgen, wie vorher vll. auch der Stockfische, für eine kulinarische Überraschung.
Ehrengäste seit 1952
| 2025 | Hendrik Wüst | Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen |
| 2024 | Dr. Frank-Walter Steinmeier | Bundespräsident |
| 2023 | Dr. Volker Wissing | Bundesminister für Digitales und Verkehr |
| 2020 | Peter Altmaier | Bundesminister für Wirtschaft und Energie |
| 2019 | Michael Kretschmer | Ministerpräsident des Freistaates Sachsen |
| 2018 | Olaf Scholz | Erster Bürgermeister von Hamburg |
| 2017 | Alexander Dobrindt | Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur |
| 2016 | Dr. Frank-Walter Steinmeier | Bundesaußenminister |
| 2015 | Dr. Ursula von der Leyen | Bundesministerin der Verteidigung |
| 2014 | Dr. Jens Weidmann | Präsident der Deutschen Bundesbank |
| 2013 | Stanislaw Tillich | Ministerpräsident des Freistaates Sachsen |
| 2012 | Prof. Dr. Norbert Lammert | Präsident des Deutschen Bundestages |
| 2011 | Jean-Claude Trichet | Präsident der Europäischen Zentralbank |
| 2010 | Dr. Christian Wulff | Niedersächsischer Ministerpräsident |
| 2009 | Prof. Dr. Horst Köhler | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 2008 | Wolfgang Schneiderhan | Generalinspekteur der Bundeswehr |
| 2007 | Dr. Angela Merkel | Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland |
| 2006 | Jean Claude Juncker | Premierminister des Großherzogtums Luxemburg |
| 2006 | Günter Verheugen | Vizepräsident der Europäischen Kommission |
| 2005 | Prof. Dr. Georg Milbradt | Ministerpräsident des Freistaates Sachsen |
| 2004 | Johannes Rau | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 2003 | S. E. Claude Martin | Botschafter der Republik Frankreich |
| 2002 | Sigmar Gabriel | Ministerpräsident des Landes Niedersachsen |
| 2001 | Dr. Edmund Stoiber | Ministerpräsident des Freistaat Bayern |
| 2000 | Lennart Meri | Staatspräsident der Republik Estland |
| 1999 | Prof. Dr. Roman Herzog | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1998 | John Christian Kornblum | Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika |
| 1997 | Jacques Santer | Präsident der Europäischen Kommission |
| 1996 | Dr. Günter Rexrodt | Bundesminister für Wirtschaft |
| 1995 | Dr. Dr. h.c. Hans Tietmeyer | Präsident der Deutschen Bundesbank |
| 1994 | Dr. Theo Waigel | Bundesminister der Finanzen |
| 1993 | Dr. Martin Bangemann | Vizepräsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaften |
| 1992 | Eberhard Diepgen | Regierender Bürgermeister von Berlin |
| 1991 | Rudolf Seiters | Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes |
| 1990 | Jean-Pascal Delamuraz | Vorsteher des Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement, Bern |
| 1989 | Hans-Dietrich Genscher | Bundesminister des Auswärtigen |
| 1988 | Dr. Jürgen Warnke | Bundesminister für Verkehr |
| 1987 | Dr. Richard von Weizsäcker | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1986 | Dr. h.c. Lothar Späth | Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg |
| 1985 | Alexandre Hay | Präsident des Internationales Komitee vom Roten Kreuz |
| 1984 | Dr. Helmut Kohl | Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland |
| 1983 | Otto Esser | Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände |
| 1982 | Karl Otto Pöhl | Präsident der Deutschen Bundesbank |
| 1981 | Dr. jur. Otto Graf Lambsdorf | Bundesminister für Wirtschaft |
| 1980 | Prof. Dr. Karl Carstens | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1979 | Dr. Ernst Albrecht | Niedersächsischer Ministerpräsident |
| 1978 | Dr. Gaston Thorn | Ministerpräsident des Großherzogtums Luxemburg |
| 1977 | Prof. Dr. Klaus Mehnert | Ordentlicher Professor emeritus der Politischen Wissenschaft, Aachen |
| 1976 | Josef Ertel | Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten |
| 1975 | Walter Scheel | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1974 | Dr. Hans Friderichs | Bundesminister für Wirtschaft |
| 1973 | Dr. Martin Joseph Hillenbrand | Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland |
| 1972 | Dr. Hans-Jochen Vogel | Oberbürgermeister München |
| 1971 | Prof. Dr. Ing. Hans Leussink | Bundesminister für Bildung und Wissenschaft |
| 1970 | Dr. Dr. Gustav Heinemann | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1969 | Ernst Benda | Bundesminister des Innern |
| 1968 | Hans Filbinger | Ministerpräsident |
| 1968 | Georg Leber | Bundesminister für Verkehr |
| 1967 | Herbert Wehner | Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen |
| 1966 | Paul Lücke | Bundesminister des Innern |
| 1965 | Dr. Ewald Bucher | Bundesminister für Justiz |
| 1964 | Walter Scheel | Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit |
| 1963 | Dr. Gerhard Schröder | Bundesminister des Auswärtigen |
| 1962 | Prof. Dr. Carlo Schmid | Vizepräsident des Deutschen Bundestages |
| 1961 | Dr. Dr. Eugen Gerstenmaier | Präsident des Deutschen Bundestages |
| 1960 | Dr. Heinrich Lübke | Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1959 | Prof. Dipl. Ing. Dr. Siegfried Balke | Bundesminister für Atomenergie und Wasserwirtschaft |
| 1958 | Franz Etzel | Bundesminister der Finanzen |
| 1957 | Dr. Heinrich von Brentano | Bundesminister des Auswärtigen |
| 1956 | Dr. Ing. Hans-Christoph Seebohm | Bundesminister für Verkehr |
| 1955 | Prof. Dr. Theodor Heuss | Präsident der Bundesrepublik Deutschland |
| 1954 | Dr. Konrad Adenauer | Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland |
| 1953 | Prof. Dr. Ludwig Erhard | Minister für Wirtschaft |
| 1952 | Prof. Dr. Theodor Heuss | Präsident der Bundesrepublik Deutschland |
Die Geschichte
der Schaffermahlzeit
Die Schaffermahlzeit ist heute weltbekannt – doch ihre Wurzeln reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ursprünglich waren es einfache Zusammenkünfte der Schiffer im HAUS SEEFAHRT: zur Rechnungslegung, vor dem Auslaufen oder am Ende des Winters. Gegessen und getrunken wurde dabei selbstverständlich – aber stets auf eigene Kosten. Schon die Stiftungsurkunde von 1545 legt das fest:
Erst ab 1561 wurde es üblich, dass die Schaffer selbst zum Essen einluden – eine Geste der Verbundenheit und Gastfreundschaft. Mit der Zeit entwickelten sich die Einladungen zu einem festlichen Ritual, das im 17. und 18. Jahrhundert immer aufwendiger wurde. Der Wunsch, sich bei der Ausrichtung zu übertreffen, war groß – manchmal auch zu groß.
Bereits 1862 notierte der Chronist Johann Georg Kohl:
Nicht alle sahen das Treiben mit Wohlwollen. Manche Bürger distanzierten sich – wie der Kaufmann Claus Mindermann, der sogar gelobte, niemals Schaffer werden zu wollen. Als er dennoch gewählt wurde, lehnte er ab, spendete aber großzügig: 14 Last Danziger Roggen und fünf Tonnen Bier.
Ein weiterer kritischer Geist war Bürgermeister Dr. Volchard Mindemann, der im 18. Jahrhundert versuchte, die Schaffermahlzeit ganz abzuschaffen – zugunsten der sogenannten Sklavenkasse, mit der man gefangene Seeleute freikaufte. Doch sein Vorhaben scheiterte am Widerstand der Bremer Kaufleute – und am tief verwurzelten Gemeinschaftsgeist des HAUS SEEFAHRT.
So blieb die Schaffermahlzeit nicht nur erhalten – sie wurde über die Jahrhunderte hinweg zum festen Bestandteil Bremer Identität. Und bis heute gilt: Das gemeinsame Mahl dient dem guten Zweck – ohne einen Cent aus der Armenkasse.
Aufschwung und Überfluss
Die Schaffermahlzeit im 19. Jahrhundert
Nach dem Ende der Franzosenzeit sollte es noch Jahre dauern, bis sich Handel und Schifffahrt in Bremen wieder erholten. Einen entscheidenden Schritt unternahm Bürgermeister Johann Smidt: 1820 beendete er den lähmenden Elsflether Zoll – und 1827 gründete er Bremerhaven, um Bremens Zugang zur See dauerhaft zu sichern.
Mit dem Jahr 1830 begann eine große Zeit für die Hansestadt: Der internationale Handel florierte, und auch die Schifffahrt erlebte neuen Aufwind. In dieser Phase des Wachstums legten die Bremer Kaufleute auch bei der Schaffermahlzeit wieder kräftig zu – und rückten von der einst schlichten Speisenfolge ab.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist das Menü der Schaffermahlzeit von 1834:
Für 111 Gäste wurden gereicht:
Hühnersuppe mit Krebsen, klare Bouillon, Stockfisch mit Sauce, Rauchfleisch, Schinken, brauner und weißer Kohl mit Kastanien, Frankfurter Würste, Hammel, Kalbs- und Ochsenbraten
Apfelkompott, Pflaumen, Sellerie- und grüner Salat
Zum Nachtisch: Walnüsse, Äpfel, Mandeln, Rosinen, Ochsenzungen, englischer Käse, Sardellen und Butter
Dazu 290 Flaschen Margaux von 1827 und 100 Flaschen weißer Haut Preignac
Zum Auftakt wurde traditionell Seefahrtsbier gereicht – doch zum Essen hatte längst der Wein das Kommando übernommen.
Karl H. Schwebel beschreibt in seinem Buch HAUS SEEFAHRT, dass von den erlesenen Speisen wohl wenig übrig blieb – sehr zum Bedauern der Bedürftigen im Seefahrtshof, denen sonst die Reste zugutekamen.
Und das Fest war damit noch lange nicht vorbei:
Am Abend fand ein großer Ball statt – mit 300 geladenen Gästen. Zehn Musiker spielten zum Tanz, während sich die Älteren an Spieltischen vergnügten. Zum Empfang gab es Bouillon, Heringssalat, belegte Brote, Butterkuchen und die legendären Seefahrtskuchen – flache Kümmel-Fladen, die seit jeher zum Inventar der Schaffermahlzeit gehören.
Ein Bericht aus dem Jahr 1862
Der Courier an der Weser schilderte die Schaffermahlzeit im Jahr 1862 mit liebevollem Blick fürs Detail. Bereits beim Platznehmen wurde die Neugier der Gäste geweckt – etwa durch zwei schmale Papierhülsen am Gedeck: eine goldene mit Pfeffer, eine silberne mit Salz. Originell und praktisch, wie der Schreiber bemerkt.
Unter der Serviette lag ein Blatt Löschpapier – kein Zufall: Da Messer und Gabel während des Essens nicht gewechselt wurden, diente es zur Reinigung des Bestecks zwischen den Gängen.
Gleich zu Beginn wurde eine kräftige Hühnersuppe auf Steinguttellern serviert – datiert auf das Jahr 1789, umrahmt von Eichenlaub und Anker. Das Fleisch wurde dazu in „achtbaren Stücken“ gereicht, begleitet von fein gehacktem Rauchfleisch.
Anschließend: der traditionelle Stockfisch, gefolgt vom ersten Trinkspruch auf das Wohl der Gäste – begleitet von ausgezeichnetem Bordeaux und Haut-Sauternes.
Den Bremer Klassiker Braunkohl mit Pinkel bezeichnete der Autor augenzwinkernd als „Leibgericht der Bremer“. Auch Sauerkraut mit Frankfurter Würsten, Teltower Rüben mit Karbonaden und Frikadellen durften nicht fehlen.
Und das war längst nicht alles: Rinder- und Kalbsbraten, Ochsenzunge, verschiedene Kompotte, knackige Salate – und schließlich ein opulentes Dessert beendeten das Festmahl.
Natürlich fehlten auch die Trinksprüche nicht: In festen Intervallen erhoben sich die Herren an den Tafelende-Plätzen, brachten ein „Gesundheit“ aus – und stießen mit den umliegenden Tischnachbarn an. So blieb auch das Glas nie lange leer.
Ein historischer Wendepunkt der Schaffermahlzeit
Am 20. Februar 1874 wurde ein Kapitel Bremer Geschichte geschlossen: Die letzte Schaffermahlzeit im alten HAUS SEEFAHRT in der Hutfilterstraße versammelte rund 180 Gäste an festlich gedeckten Tafeln. Unter ihnen Vertreter bedeutender Welthandelsplätze – aus Nord- und Südamerika, sowie Mexiko und Ost- und Westindien.In seiner Ansprache erinnerte Konsul Carl Tewes daran, dass das HAUS SEEFAHRT über Jahrhunderte hinweg Stürme und Herausforderungen gemeistert habe – und sich nun, im Zuge der städtischen Entwicklung, selbst zurücknehme. Seine Worte klangen wie eine Verheißung:
„Hoffen wir, dass das HAUS SEEFAHRT – wie ein Phönix aus der Asche – an anderem Platze neu erstehen werde.“
Auch Graf Eulenburg, Oberpräsident der Provinz Hannover, richtete das Wort an die Versammlung. Er deutete die lateinische Inschrift über dem Eingang des Hauses:
Navigare necesse est, vivere non est necesse.
Wörtlich: „Schiffahrt ist notwendig, Leben ist nicht notwendig.“
Ein Satz, der zum Nachdenken anregt. Eulenburg jedoch erkannte darin mehr als eine bloße Paradoxie. Für ihn war es Ausdruck hanseatischer Haltung, geprägt von Pflichterfüllung, Mut und Weitblick. Mit einem Verweis auf Goethe schloss er:
„Und setzt ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein.“
So endete die letzte Schaffermahlzeit an alter Stätte – und der Weg wurde frei für einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Stiftung und ihrer traditionsreichen Versammlung.
Mehr als ein Mahl
Die Schaffermahlzeit als gelebte Verbindung von Geschichte, Gemeinschaft und Verantwortung
„Die Schaffermahlzeit ist und bleibt ein jährlich wiederkehrendes Ereignis für Bremen, das immer wieder an den Zweck der Gründung von HAUS SEEFAHRT erinnert: den Angehörigen der Schifferschaft in Not und Unglück Beistand zu gewähren.“
So schrieb einst der Chronist der Lloyd-Nachrichten. Für ihn war die Schaffermahlzeit mehr als ein Fest – ein „Ordensfest der alten Bremer Schiffergilde“ und ein sichtbares Band zwischen Kaufleuten und Kapitänen.
Ursprünglich war das Mahl ein schlichtes Abschiedsessen. In früheren Jahrhunderten ruhten die Schiffe im Winter – die Flüsse zugefroren, die See zu gefährlich. Kurz vor Beginn der Frühjahrssaison versammelten sich Kaufleute und Kapitäne im HAUS SEEFAHRT, um über die Bücher der Stiftung zu sprechen – und sich, im wahrsten Sinne, voneinander zu verabschieden.
Denn wer zur See fuhr, wusste: Eine Rückkehr war ungewiss. Manche Jahre sahen jeden zweiten Seemann nicht wieder heimkehren. Der Zusammenhalt der Stiftung war für viele ein Trost – ihre Angehörigen wussten sich in guter Obhut.
Mit der Zeit öffnete sich die Tafel. Auch Gäste aus dem In- und Ausland, oft geschäftlich in der Stadt, wurden eingeladen. So entstand aus der internen Zusammenkunft die sogenannte Schaffergasterei – ein Freundschaftsmahl, das zum Symbol wurde.
Schon im Jahr 1912 beschrieb ein Chronist: „Ein eigenartiger Reiz umgibt nach wie vor diese alte bremische Veranstaltung.“ Und einer der damaligen Schaffer, Dr. Tetens, sagte:
„Der schönste Reiz des Schaffermahles ist der Hauch der Vergangenheit, der uns mitten in der Unrast des Gegenwartslebens für einige Stunden mit seinem Zauber umwebt.“
Ein Satz, der bis heute Bestand hat.